Schwaz

160pxAbb. 1 Wappen von Schwaz
Basisdaten
Höhe 545 m
Fläche 20.17 km2
PLZ 6130
Vorwahl 05242
Kfz SZ
Website www.schwaz.at
Bürgermeister Hans Lintner (ÖVP)
Schwaz ist eine Bezirkshauptstadt mit Einwohnern (Stand ) im Bundesland Tirol in Österreich. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Schwaz.

Geographie

Lage

Die Bezirkshauptstadt Schwaz liegt im mittleren Unterinntal etwa 30 km östlich der Landeshauptstadt Innsbruck am Fuß des Kellerjochs (Hausberg und Aussichtsberg, ) und des Eiblschrofens.

Die Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 20,17 km². Die Ansiedlung ist seit Jahrhunderten vom Lahnbach bestimmt, der durch Schottertransport und Überschwemmungen den ortsbestimmenden Schuttkegel aufbaute und die Stadt in die Gebiete Markt und Dorf teilt. Gleichzeitig gibt es die Gliederung in die geografischen Siedlungsbereiche Ried, Pirchanger, Bleiberg, Ost, Sonnseite, Surheim und Falkenstein.

Nachbargemeinden

Buch in Tirol, Fügenberg, Gallzein, Pill, Stans, Vomp

Bevölkerungsentwicklung

Geschichte

Frühe Geschichte

Der Raum um Schwaz war bereits in Jungsteinzeit (4000–2000 v. Chr.) und Bronzezeit (ab 1500 v. Chr., Funde bei St. Martin) besiedelt. Die Örtlichkeit selbst wurde 930/31 erstmals urkundlich als „Sûates“ erwähnt.

Um 1170 errichteten die Fruntsberger (später Freundsberger) einen einfachen Wohnturm auf dem Hügel über Schwaz, den sie im 13. Jahrhundert zum Schloss Freundsberg ausbauten. Im 14. Jahrhundert wurde die erste Innbrücke errichtet.

Bergbau und Blütezeit

War das Ortsbild anfänglich bäuerlichen Charakters, stieß es nach der Entdeckung der Silber- und Kupfervorkommen bald in großstädtische Dimensionen vor. Bereits in der Bronzezeit war in den Bergen zwischen Schwaz und Kitzbühel Kupfer abgebaut worden, das in Verbindung mit Zinn zur Herstellung von Bronze benötigt wurde. Zur Blütezeit des Bergbaus im 15. und 16. Jahrhundert war Schwaz als die größte Bergbaumetropole Europas mit 20.000 Einwohnern (heute etwa 13.000) nach Wien die zweitgrößte Ortschaft im Habsburgerreich.

Der Silberabbau im Schwazer Silberbergwerk begann einer unbestätigten Sage nach im Jahre 1409, als die Magd Gertraud Kandlerin beim Weiden eines Stieres auf dem Kogelmoos (Bereich oberhalb der Stadt) einen silbererzhaltigen Stein entdeckt haben soll. Um 1420 wurden erstmals reichhaltige Erzgruben am Falkenstein aufgetan, und die Zuwanderung von bergmännischem Fachpersonal aus Böhmen und Sachsen begann. Innerhalb weniger Jahre wurde die Schwazer Metallproduktion ein europäischer Wirtschaftsfaktor, und der Falkenstein wurde zur Silber- und Geldquelle der Habsburger. Die Augsburger Handelsfamilien Fugger und Paumgartner waren über den Zeitraum des Silberbergbaus präsent. Auch der Arzt Paracelsus (Philipp Aureol Theophrast Bombast von Hohenheim in Egg an der Sihl) besuchte auf seinen Forschungsreisen zweimal (1516 und 1533/1534) Schwaz, um sich mit bergmännischen Krankheiten auseinanderzusetzen, und erhielt wahrscheinlich die besten Informationen von dem Schwazer Arzt Johannes Milchtaler.

Unterstützten die Fugger im Jahre 1519 noch mit 850.000 Gulden (aus Schwazer Erzen) die Ernennung des Habsburgers Karl V. zum deutschen König, so fand um 1550 nach allgemein schlechter Wirtschaftslage die Augsburger Handelsgesellschaft ein jähes Ende. Nach dem Einzug des Großteils der Knappen in die Landesverteidigung und dem Import von billigem Silber aus amerikanischen Tagebauen begann der Niedergang der Silberzeit in Schwaz.

In den erzreichen Bergen und Hängen der Stadt Schwaz wurde in einem Zeitraum von 1420 bis 1827 Metall abgebaut. Die Ausbeute an Silber (2.571 Tonnen) und an Kupfer (190.999 Tonnen) verdeutlicht den wirtschaftlichen und weltpolitischen Einfluss von Schwaz.

Über die „Mutter aller Bergwerke“ wurde 1558 von Georg Rösch von Geroldshausen folgender Reim verfasst:Swatz ist aller perckhwerck muater zwarDavon nert sych ayn gar gross scharOb treyssygh taussent, hab ich recht behaltenVon mannen, frauen, yungh und altn.Übertragung ins Neuhochdeutsche:Schwaz ist aller Bergwerke Mutter zuwahrDavon ernährt sich eine gar große Schar MenschenDreißigtausend, wenn ich recht behalte recht entsinneMänner, Frauen, Junge und Alte.

19. Jahrhundert

Nach dem Niedergang des Bergbaus und der Zerstörung großer Teile des Orts in den Napoleonischen Kriegen wurde im 19. Jahrhundert durch folgende Einrichtungen ein Aufschwung eingeleitet:

  • 1819 Kreishauptschule
  • 1830 Errichtung einer Produktionsstätte für Tabakwaren (2005 geschlossen)
  • 1837 Eröffnung des Bezirksgerichtes
  • 1858 Bahnhof
  • 1871 gewerbliche Fortbildungsschule
  • 1876 Altenheim
  • 1889 erstes Schwazer Schwimmbad
  • 1897 erste Stromanschlüsse
  • 1898/99 Errichtung des Franz-Joseph-Krankenhauses
  • 1900 Handelsschule

Am 16. September 1899 wurde Schwaz mit Entschließung vom 28. April durch Kaiser Franz Joseph I. zur Stadt erhoben. Diese späte Erhebung ist darin begründet, dass Schwaz trotz und wegen seiner Größe nie über eine Stadtmauer verfügte. Aus dem gleichen Grund befand sich zur Zeit des Silberbergbaus unter Kaiser Maximilian I. die Münze nicht vor Ort, sondern im befestigten Hall, etwa 17 Kilometer westlich von Schwaz.

20. Jahrhundert

Bis zum Ersten Weltkrieg war Schwaz Garnisonsstadt der k.u.k. Armee, 1914 lag dort das III. Bataillon des Salzburgischen Infanterieregiments ''Erzherzog Rainer'' Nr. 59.

2017 wurde Schwaz der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

  • Pfarrkirche Schwaz-Maria Himmelfahrt: Die Stadtpfarrkirche, eine 1460 erbaute vierschiffige Hallenkirche, wurde 1502 erweitert und ist heute die größte Hallenkirche Tirols. Links saßen die Bürger, rechts durch eine Holzwand getrennt die Knappen.

Eine Besonderheit dieser Kirche sind die beiden Glockentürme, von denen einer rund 400 Jahre jünger ist. Er wurde 1911 errichtet, nachdem der ältere eine kritische Neigung im oberen Drittel der Konstruktion aufwies und wegen Einsturzgefahr bei nochmaligem Läuten nicht mehr gefahrlos verwendet werden konnte.

  • Pfarrkirche Schwaz-St. Barbara
  • Das Franziskanerkloster Schwaz mit seinem sehenswerten Kreuzgang mit gotischer Wandbemalung wurde 1515 eingeweiht.
  • Das Bischöfliche Gymnasium Paulinum, ist aus einem im 19. Jahrhundert in Brixen gegründeten Gymnasium hervorgegangen und wurde wegen Repressionen durch das faschistische Italien 1926 in Schwaz neu gegründet.
  • Schloss Freundsberg der Herren von Frundsberg auf einem Hügel 170 m oberhalb der Stadt. Im Turm der Burg ist das Museum der Stadt Schwaz untergebracht. Es zeigt unter anderem die Entwicklung der Stadt und den Bergbau in Schwaz. Im Rittersaal tagt monatlich das Fruntspergfähnlein.
  • Das Fuggerhaus entstand um 1525 als Wohnsitz der Augsburger Handelsfamilie. Von hier aus leitete Anton Fugger zeitweise sein Imperium. Heute ist das Haus Sitz der Tertiar-Schulschwestern.
  • Das Handelshaus ist ein spätgotisches Bürgerhaus, das 1500–1509 von den beiden Gewerken Hans und Jörg Stöckl erbaut wurde. Das große Gebäude umfasst einen dreistöckigen Arkadenhof und dient heute als Rathaus.
  • Die Franz-Josef-Straße bildet die ehemalige Hauptstraße und ist heute eine Fußgängerzone. Sie wirkt trotz des Brandes von 1809 als geschlossener Straßenzug. Am Ende der Straße liegt das barockisierte Palais Tannenberg-Enzenberg.
  • Das Museum der Völker zeigt Kunstobjekte aus fernen Kulturen. Ethnographische Exponate aus Afrika und Asien werden ausgestellt.
  • Das Schwazer Silberbergwerk befindet sich am östlichen Ende der Stadt. Der 1491 aufgeschlagene Sigismund-Fürstelauf Erbstollen wurde 1989/90 für Besucher zugänglich gemacht. Eine Grubenbahn fährt 800 m in den Stollen ein.
  • Das Zeiss Planetarium Schwaz ist eines der weltweit modernsten Kleinplanetarien. Seit 2001 vermittelt es Besuchern aus der Region und dem benachbarten Ausland Wissen über die Sternenwelt. 2006 wurde es mit neuer FullDome Technologie ausgestattet, um moderne 3D-Filme zeigen zu können.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Der Salva Guardia zu Schwaz, eine 1686 erstmals erwähnte Vereinigung, die bei Prozessionen das Allerheiligste begleitet, wurde 2013 von der UNESCO unter der Bezeichnung Sakramentsgarden in Tirol als Immaterielles Kulturerbe in Österreich anerkannt.
  • Beginnend mit 1993 finden jedes Jahr das Outreach Festival'' und die ''Outreach Academy in Schwaz statt.
  • Seit 1994 findet in Schwaz jährlich das österreichweit renommierte Festival für Neue Musik Klangspuren statt, das im Museumsquartier in Wien beheimatet ist.
  • Regelmäßige Sonderausstellungen mit ethnografischen Sammlungen, moderner außereuropäischer Kunst und Fotoausstellungen im Museum der Völker.

Sport

  • Schilauf: TU Schwaz Sektion Schilauf, Ski-Klub Schwaz
  • Baseball: Tigers Schwaz, Ridgebacks Schwaz
  • Basketball: Silverminers Schwaz
  • Bogenschießen: BSC Schwaz-Vomp
  • Handball: ULZ Sparkasse Schwaz
  • Fußball: SC Schwaz
  • American Football: AFC Hammers Schwaz
  • Airsoft: ASVT Airsoft Sport Verein Tirol
  • Pekiti Tirsia Kali: Pekiti Tirsia Kali Schwaz
  • Badminton: TU Schwaz Sektion Badminton
  • Tennis: TC Schwaz

Städtepartnerschaften

  • Mindelheim, eine deutsche Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern im Unterallgäu, ist seit 1990 Partnerstadt von Schwaz.
  • Bourg-de-Péage liegt im Department Drôme im Südosten Frankreichs zwischen Grenoble und Marseille.
  • East Grinstead ist eine südwest-englische Kleinstadt mit etwa 25.000 Einwohnern in West Sussex.
  • Sant Feliu de Guíxols an der Costa Brava in Spanien mit etwa 22.000 Einwohnern.
  • Tramin ist das Südtiroler Partnerdorf von Schwaz.
  • Verbania am Lago Maggiore ist eine weitere italienische Ortschaft mit etwa 31.000 Einwohnern.
  • Satu-Mare, eine rumänische Stadt mit etwa 115.000 Einwohnern.
  • Trient, bzw. der Stadtteil Trient-Argentario mit etwa 13.000 Einwohnern.

Wappen

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

  • Georg Scherer (1540–1605), Prediger der Gegenreformation
  • Edmund Zoz (1653–1707), Zisterzienserabt
  • Johann Karl von Reslfeld (1658–1735), Barockmaler
  • Christoph Anton Mayr (ca. 1720–1771), Kirchenmaler des Rokoko
  • Korbinian Gärtner (1751–1824), Benediktiner, Jurist und Historiker, Professor und letzter Rektor der Universität Salzburg 1807-1810 vor deren Auflösung durch die bayerische Regierung (Konkurrenz für die UNI München). Bibliothekar des Stiftes St.Peter.
  • Maria Anna Moser (1758–1838), Malerin
  • Johann Michael Albaneder (1762–1824), Bildhauer, Bossierer und Keramiker
  • Alois Lergetporer (1786–1851), Bürgermeister von Salzburg 1831–1847
  • Albert Jäger (1801–1891), Benediktiner, Historiker, Politiker
  • Joseph Wopfner (1843–1927), Landschaftsmaler
  • Alfons Siber (1860–1919), Maler und Restaurator
  • Franz Haider (1860–1947), Bildhauer und Kunstlehrer
  • Josef Andergassen (1861–1929), Kunsttischler, Altarbauer und Bildhauer
  • Franz Kobald (1866–1933), Bildhauer
  • Max Angerer (1877–1955), Maler
  • Emanuel Raffeiner (1881–1923), Maler
  • Toni Kirchmayr (1887–1965), Maler und Restaurator
  • Johannes Messner (1891–1984), Theologe und Rechtswissenschaftler
  • Joseph Messner (1893–1969), Musiker und Komponist, Domkapellmeister von Salzburg
  • Josef Prantl (1895–1951), Komponist und Musikdirektor in Bludenz
  • Carl Rieder (1898–1980), Maler, Zeichner und schuf Kirchenfenster, Fresken und Sgraffiti
  • Josef Ausserhofer, Apotheker und Schriftsteller
  • Sepp Baumgartner (1901–1987), Bildhauer
  • Wilhelm Angerer (1904–1982), Fotograf
  • Fred Hochschwarzer (1914–1990), Maler
  • Hartwig Karl Unterberger (* 1934), Maler und Bildhauer
  • Gert Chesi (* 1940), Fotograf, Autor und Journalist
  • Traudl Hecher (* 1943), Skirennläuferin
  • Margarethe Heubacher-Sentobe (* 1945), Architektin
  • Hans Köchler (* 1948), Philosoph
  • Günther Maria Garzaner (* 1951), Schriftsteller
  • Wolfgang Lechner (* 1953), Journalist
  • Markus Egg (* 1954), Historiker und außerordentlicher Universitätsprofessor
  • Harry Prünster (* 1956), Komiker
  • Johannes Schneider (* 1956), Franziskaner, Theologe
  • Beate Palfrader (* 1958), Politikerin (ÖVP)
  • Armin Kogler (* 1959), Skispringer
  • Erich Rinner (* 1960), Solotrompeter
  • Johannes Rosenberger (* 1965), Filmproduzent
  • Martin Leutgeb (* 1966), Schauspieler
  • Doris Danler (* 1966), Diplomatin
  • Franz Hackl (* 1967), Jazzmusiker und Instrumentenmacher, Ausrichter von Outreach Festival & Academy
  • Martin Höllwarth (* 1974), Skispringer
  • Christoph Gruber (* 1976), Skirennläufer
  • Johannes Aigner (* 1981), Fußballspieler
  • Anna Braun (* 1984), Naturbahnrodlerin
  • Tobias Angerer (* 1990), Naturbahnrodler
  • Stephanie Brunner (* 1994), Skirennläuferin

Mit Schwaz verbunden

  • Hans Schlaffer († 1528), täuferischer Reformator, in Schwaz hingerichtet
  • Hans Maler zu Schwaz (1480–1529), bedeutender Porträtmaler der Renaissance
  • Johannes Milchtaler (16. Jahrhundert), Arzt und Medizinschriftsteller aus Schwaz
  • Hans Sachs (1494–1576), Gründer der Meistersingerschule Schwaz
  • Cordula Wöhler (1845–1916), katholische Schriftstellerin und Dichterin, lebte über 30 Jahre in Schwaz und ist dort begraben
  • Ludwig Penz (1876–1918), Bildhauer
  • Max Bär (1903–1944), Widerstandskämpfer

Weblinks

Hinweis

Dieser Artikel wurde aus der deutschsprachigen Wikipedia entnommen. Den Originalartikel finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Schwaz

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